„Organisation der öffentlichen Impfprogramme muss dringend verbessert werden“
Die Kammer fordert angesichts der erneuten Probleme bei der Beschaffung des Grippeimpfstoffs eine Neuorganisation der öffentlichen Impfprogramme und warnt vor einem Vertrauensverlust der Bevölkerung.
Stefan Eckerieder-Donovan
Rund 868.000 Dosen des Impfstoffs Influvac dürften statt im Oktober erst Ende November geliefert werden.
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„Leider ist der Engpass bei den Grippeimpfstoffen kein Einzelfall. Kaum eine größere Impfaktion verlief zuletzt ohne Pannen.“
Johannes Steinhart
Das öffentliche Impfprogramm gerät einmal mehr ins Stocken. Wie die Kronen Zeitung exklusiv berichtet, verzögert sich ausgerechnet zum Beginn der Grippesaison die Lieferung von rund 868.000 Dosen des Impfstoffs Influvac an die Ordinationen deutlich. Große Mengen des bestellten Impfstoffs dürften erst Ende November statt wie geplant im Oktober eintreffen. Bereits vereinbarte Impftermine müssen daher verschoben werden. Die Verzögerung ist besonders problematisch, weil das nationale Referenzlabor der MedUni Wien mit einem ungewöhnlich frühen Beginn der Grippewelle rechnet. Erste Fälle wurden bereits registriert.
„Die neuerlichen Probleme bei der Beschaffung von Impfstoffen zeigen einmal mehr, dass die Organisation der öffentlichen Impfprogramme dringend verbessert werden muss. Leider ist der Engpass bei den Grippeimpfstoffen kein Einzelfall. Kaum eine größere Impfaktion verlief zuletzt ohne Pannen“, sagt Johannes Steinhart, Präsident der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien und der Österreichischen Ärztekammer.
Präsident Johannes Steinhart fordert angesichts der wiederkehrenden Probleme eine Neuorganisation der öffentlichen Impfprogramme. Foto: Stefan Seelig/AEK Wien
Naghme Kamaleyan-Schmied, Vizepräsidentin der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien und Obfrau der Kurie niedergelassene Ärzte, kritisiert ebenfalls das jährlich wiederkehrende Chaos bei den Impfstofflieferungen. „Die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte haben ihre Hausaufgaben gemacht. Wir stehen bereit, haben die Impfstoffe bestellt und ausreichend Personal eingeplant. Wenn nun die Impfstofflieferung nicht fristgerecht erfolgt, sind es die Ordinationen, die den Ärger der Bevölkerung auffangen müssen. Die wiederkehrenden Probleme untergraben zudem das Vertrauen der Bevölkerung vor allem in die kostenlosen Impfprogramme. Es überrascht mich nicht, dass die Impfbereitschaft immer weiter zurückgeht, wenn nahezu jede Impfkampagne von negativen Schlagzeilen begleitet wird. Wer sich impfen lassen möchte, erwartet Verlässlichkeit und nicht die Unsicherheit, ob der Impfstoff überhaupt verfügbar ist“, betont Kamaleyan-Schmied. Es brauche jetzt rasch klare Empfehlungen für Ärztinnen und Ärzte, wie mit den knappen Impfstoffmengen umzugehen sei. „Die Ordinationen benötigen Planungssicherheit, transparente Kriterien für die Priorisierung und verlässliche Informationen, wann wir mit wie viele Impfstoffen rechnen können.“
Vizepräsidentin Naghme Kamaleyan-Schmied warnt vor einem Vertrauensverlust der Bevölkerung in das öffentliche Impfprogramm angesichts der regelmäßigen negativen Schlagzeilen. Foto: Stefan Seelig/AEK Wien
Die aktuelle Situation zeige eines ganz klar, betont Steinhart: „Wir brauchen nicht mehr Stellen zum Impfen, sondern ausreichend und rechtzeitig Impfstoffe. Wenn diese knapp sind, hilft es nicht, die vorhandenen Dosen auf noch mehr Impfstellen aufzuteilen und Patientinnen und Patienten an mehreren Orten nach Impfstoff fragen zu lassen.“
„Die wiederkehrenden Probleme untergraben zudem das Vertrauen der Bevölkerung vor allem in die kostenlosen Impfprogramme.“
Naghme Kamaleyan-Schmied
„Wir brauchen nicht mehr Stellen zum Impfen, sondern ausreichend und rechtzeitig Impfstoffe.“