Militärärztinnen und -ärzte kommen in vielen Situationen zum Einsatz: „Ob im In- oder Ausland, Katastropheneinsätzen oder die medizinische Versorgung von Soldatinnen und Soldaten – Militärärztinnen und Militärärzte nehmen eine Schlüsselrolle an der Schnittstelle von Medizin, Landesverteidigung und Sicherheit ein“, sagte Johannes Steinhart, Präsident der Österreichischen Ärztekammer und der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien im Rahmen einer Pressekonferenz.
Spannendes Berufsbild
Der Beruf der Militärärztin bzw. des Militärarztes ist abwechslungsreich und mit großer Verantwortung verknüpft. So arbeiten Ärztinnen und Ärzte etwa als Bataillonsärztin bzw. -arzt bei der Truppe und begleiten diese zu Übungen und Einsätzen in Krisenregionen, oder sie leisten Hilfe in einer der Sonderkrankenanstalten (Wien, Graz, Hörsching oder Innsbruck) des Österreichischen Bundesheeres. „Das macht das Berufsbild einerseits interessant, andererseits machen es die oft herausfordernden Umstände nicht immer leicht, genügend qualifiziertes Personal zu finden. Der Wettbewerb um Ärztinnen und Ärzte ist ohnehin schon groß. Wenig überraschend haben wir auch in Österreich zu wenig Militärärztinnen und Militärärzte, warnt ganz aktuell das Bundesheer – aktuell sind es rund 170 Personen“, sagte Steinhart. Und der Bedarf an Militärärztinnen und -ärzte wird sich durch den Aufbauplan 2032+, das ist ein zehnjähriges Investitions- und Modernisierungsprogramm des Österreichischen Bundesheeres, noch vergrößern.
Operation: Förderprogramme
Damit beim Nachwuchs nicht der Zapfenstreich, sondern Festmusik erklingt, müssen Zugang zum Humanmedizin-Studium und Ausbildungsphase gefördert werden. Seit genau vier Jahren können jährlich bis zu zehn Studierende mittels Sondervertrag für 20 Jahre beim Österreichischen Bundesheer als Militärärztinnen und -ärzte aufgenommen werden. Zusätzlich bekommen Studierende des Bundesheeres alle anfallenden Kosten, wie etwa die laufenden Studiengebühren, erstattet oder auch notwendige Unterkünfte zur Verfügung gestellt. „Derartige Förderungen sind entscheidend, denn die Militärmedizin als attraktives Berufsfeld muss sich weiterentwickeln“, so Steinhart.
Ärztinnen und Ärzte als Generalisten
Ein großes Thema für die Militärärztinnen und -ärzte ist die zunehmende Spezialisierung der Medizin. „Diese ist im Regelfall sicher sinnvoll, im Krisenfall benötigen wir aber eher Generalistinnen und Generalisten. Den Trend einer zunehmenden Fragmentierung der Medizin nehmen übrigens auch andere Länder kritisch wahr, so haben die deutschsprachigen Ärzteorganisationen in Bayern ein entsprechendes Grundsatzpapier erarbeitet, das sich gegen eine weitere Zersplitterung bestehender Fachgebiete ausspricht“, erklärte Steinhart.
Stellung beziehen
„Militärmedizin ist kein Randthema des Bundesheeres, sondern ein relevanter Teil der gesamtstaatlichen Krisen- und Gesundheitsvorsorge“, unterstrich Sylvia Sperandio, Generalmajorin, Ärztin und Leiterin des Militärischen Gesundheitswesens (Direktion 8). Dass Militärärztinnen und -ärzte ein sehr breites Aufgabenfeld haben, betonte auch Sperandio. Dieses reiche von der Stellungs- und Tauglichkeitsbeurteilung, truppenärztliche Versorgung, Einsatz- und Übungsbetreuung, Notfallmedizin, Katastrophenhilfe, Führungsverantwortung im Sanitätsdienst bis hin zur medizinischen Krisenplanung.
„Ihre Entscheidungen betreffen nicht nur einzelne Patientinnen und Patienten, sondern auch die Einsatzfähigkeit ganzer Einheiten“, sagte Sperandio. Durch die medizinische Untersuchung im Rahmen der Stellung können bereits wichtige Informationen und Daten gewonnen werden. Sperandio: „Die Stellungsstraße ist ein unterschätzter Beitrag zur Volksgesundheit. In diesem Alter können gesundheitliche Auffälligkeiten sichtbar werden, die sonst möglicherweise lange unerkannt bleiben. Gleichzeitig entscheidet die Tauglichkeitsbeurteilung über einen Teil der künftigen Personalbasis der Landesverteidigung.“
Zwei Kompetenzen in einer Person
Auch die truppenärztliche Aufgabe sei für Sperandio erheblich. Grundwehrdiener sind aufgrund des Heeresgebührengesetzes über das Bundesheer versorgt. Damit trägt das Bundesheer für diese Gruppe eine unmittelbare medizinische Versorgungsverantwortung. „Milizärztinnen und Militärärzte sind ein großes Asset für das Gesundheitssystem und die Krisenvorsorge“, strich Sperandio hervor. Denn sie verbinden zwei Kompetenzen: die medizinische Erfahrung aus dem zivilen System und gleichzeitig das Verständnis für militärische Abläufe, Führung und Einsatzlogik.
Ärztinnen und Ärzte für das In- und Ausland
Gesucht werden vom Bundesheer für das Inland Allgemeinmedizinerinnen und -mediziner mit Notarztdiplom sowie Fachärztinnen und -ärzte für eine Erstvertragsdauer von drei Jahren. Als Militärärztin bzw. -arzt verpflichtet man sich auch zu Auslandseinsätzen. Dazu muss man vorher eine Eignungsprüfung und eine speziell auf die Entsendung gezielte zwei- bis vierwöchige Einsatzvorbereitung absolvieren. Im Ausland wird dann für mindestens drei Monate eine ärztliche Station oder ein Notarztteam geleitet oder als Fachärztin bzw. -arzt in einem Feldspital gearbeitet.