PVE medloft
PVE medloft

„Ziel war eine Art ‚Notaufnahme light‘“

Von der Impfordination über die enge Kooperation mit Apotheken, Labor und Radiologie bis zur Versorgung eines multikulturellen Einzugsgebiets: Florian Mölzer, Mitinhaber des Primärversorgungszentrum Margareten, erklärt, wie das medloft versucht, viele Leistungen an einem Ort zu bündeln und damit die Gesundheitsversorgung zu verbessern.

Stefan Eckerieder-Donovan

Ärzt*in für Wien: Sie und Ihre Kolleginnen und Kollegen kommen alle aus der Notfallmedizin. Wie hat diese Erfahrung das Konzept des medloft geprägt?

Mölzer: Als Moritz Rauch, Florin Oprescu und ich die Primärversorgungseinheit gründeten, wollten wir die Erfahrungen aus der Notfallmedizin bewusst in den niedergelassenen Bereich übertragen. Daraus entstand die Idee einer Art „Notaufnahme light“. Das bedeutet konkret: strukturierte Abläufe, eigene Untersuchungsbereiche und die Möglichkeit, viele diagnostische Schritte sofort vor Ort durchzuführen und auszuwerten. Studien zeigen, dass etwa 30 bis 40 Prozent der Patientinnen und Patienten, die in einer Notaufnahme landen, genauso gut im niedergelassenen Bereich behandelt werden könnten. Genau diese Gruppe wollen wir ansprechen.

Dafür haben wir unter anderem ein Sofortlaborgerät, mit dem wir Blutbild- und Entzündungswerte direkt bestimmen können. Auch wichtige Differenzialdiagnosen wie Herzinfarkt, Lungenembolie oder Thrombose können wir mittels Schnelltest rasch abklären oder ausschließen. Ergänzt wird das durch apparative Untersuchungen wie EKG, Ultraschall, Harnanalysen und eine insgesamt sehr strukturierte Patientenführung. Unser Anspruch ist es, möglichst viel sofort und an einem Ort zu klären.

 

Ärzt*in für Wien: Wie läuft ein Besuch in der PVE für Patientinnen und Patienten üblicherweise ab?

Mölzer: Der Besuch beginnt mit einem kurzen Aufnahmegespräch durch unsere Ordinationsassistentinnen und -assistenten, bei dem der Grund des Besuchs erhoben wird. Danach geht es direkt in einen unserer Untersuchungsräume. Dort finden bereits vor dem Arztkontakt erste diagnostische Schritte statt – etwa Blutabnahmen, EKG, Abstriche oder Harnanalysen, je nach Beschwerdebild. Das hat den Vorteil, dass beim eigentlichen Arztgespräch bereits viele Befunde vorliegen und wir schneller zu einer Diagnose und Therapieentscheidung kommen. Außerdem reduzieren wir damit die Wartezeiten in unserer Ordination.

Zusätzlich arbeiten wir eng mit einem externen Labor zusammen, das zweimal täglich Proben abholt, sowie mit einem nahegelegenen Radiologieinstitut. Dort durchgeführte Untersuchungen stehen uns oft innerhalb einer Stunde digital zur Verfügung.

In der Regel kommen Patientinnen und Patienten mit einem Anliegen zu uns und gehen im Idealfall mit einer fertigen Abklärung und einem Befund wieder nach Hause, alles in einem Besuch.

 

Ärzt*in für Wien: Ihre PVE liegt in einem besonders vielfältigen Einzugsgebiet – zwischen dem 4. und 5. Bezirk, die beide dicht besiedelt sind und einen hohen Migrationsanteil haben. Wie sind sie darauf eingestellt?

Mölzer: Durch unsere Lage, zwischen dem 4. und 5. Bezirk – beides sehr dicht besiedelte Bezirke – haben wir eine große Nähe zu den Patientinnen und Patienten. Viele wohnen in unmittelbarer Umgebung und kommen zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Auch Hausbesuche können wir oft zu Fuß erledigen. Besonders der 5. Bezirk hat einen hohen Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund, vor allem aus Balkanländern und der Türkei. Gleichzeitig kommen in den letzten Jahren verstärkt auch Menschen aus anderen Regionen dazu, etwa aus der Ukraine oder aus arabischsprachigen Ländern. Wir haben daher bewusst ein Team aufgebaut, das viele verschiedene Sprachen abdeckt – zusätzlich haben wir die Möglichkeit, auf speziell ausgebildete Telefondolmetscher zuzugreifen. So können wir bei Bedarf direkt in der jeweiligen Muttersprache kommunizieren.

 

Ärzt*in für Wien: Das medloft gilt auch als Impfordination. Wie funktioniert Ihr Modell?

Mölzer: Wir haben grundsätzlich viele Impfstoffe direkt bei uns in der Ordination lagernd, von Standardimpfungen wie FSME, Tetanus/Diphtherie oder Masern/Mumps/Röteln bis hin zu Reiseimpfungen wie Tollwut oder Japan-B-Enzephalitis. Patientinnen und Patienten können dadurch direkt bei uns geimpft werden, ohne vorher in die Apotheke gehen zu müssen.

Bei öffentlichen Impfprogrammen arbeiten wir zusätzlich eng mit umliegenden Apotheken zusammen. Dabei werden die Impfstoffe über die Apotheke bezogen, aber in einem Kühlsystem direkt bei uns gelagert und auch bei uns verabreicht. Der große Vorteil ist, dass der gesamte Ablauf für die Patientinnen und Patienten deutlich einfacher wird. Der sonst übliche Weg – Arzt, Apotheke, wieder zurück zum Arzt – entfällt komplett. Das reduziert den administrativen Aufwand für die Patientinnen und Patienten enorm. Dieses Modell setzt sich zunehmend auch in anderen größeren Ordinationen durch.

 

Ärzt*in für Wien: Neben der allgemeinmedizinischen Versorgung setzen Sie auch besondere Schwerpunkte. Welche sind das?

Mölzer: Mit meinem Kollegen Rauch haben wir einen erfahrenen Kinderarzt in unserem Team. Damit ist es uns möglich, Patientinnen und Patienten kompetent von der Geburt an bis ins hohe Alter im Sinne der Familienmedizin zu begleiten. Des Weiteren haben wir in den letzten Jahren ein Team an DGKP (Diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerinnen und -pfleger) und Wundmanagern aufgebaut, mit welchem wir kleinere frische aber vor allem chronische Wunden versorgen können. Wir sind außerdem HIV-PrEP Zentrum und bieten neben der Verschreibung der HIV-Prophylaxe eine umfassende Abklärung und Therapie von STDs (Sexuell übertragbare Infektionen und Krankheiten) an. Unser Ziel ist es, quasi als One-Stop-Shop, möglichst viele Anliegen direkt vor Ort abzuklären und zu behandeln. Damit sparen sich die Patientinnen und Patienten lange Wege und Wartezeiten – außerdem wird das Gesundheitssystem entlastet.

 

Ärzt*in für Wien: Ein wesentliches Merkmal von Primärversorgungseinheiten ist die Zusammenarbeit verschiedener Gesundheitsberufe. Wie sieht das im medloft aus?

Mölzer: Heute besteht unser Team aus knapp 40 Personen – darunter Ärztinnen und Ärzte, Pflegekräfte, Ordinationsassistentinnen und -assistenten sowie Fachkräfte aus den Bereichen Diätologie, Sozialarbeit und klinische Psychologie. Zudem sind wir Lehrpraxis und bilden derzeit drei Ärztinnen und Ärzte aus. Wir befinden uns in ständigem Austausch, besprechen komplexere Fälle und organisieren gemeinsame Fortbildungen. Durch diese interdisziplinäre Vernetzung profitieren wir, aber vor allem unsere Patientinnen und Patienten. So können wir etwa bei erhöhten Blutfetten eine ernährungsmedizinische Beratung anbieten oder Personen in Krisensituationen durch unsere Psychologin unterstützen.


Ärzt*in für Wien: Wie sehen Sie die Zukunft der Primärversorgung?

Mölzer: Die Primärversorgung – egal ob als Einzel-, Gruppenpraxis oder PVE – wird aus unserer Sicht weiter an Bedeutung gewinnen und braucht es, um die Notaufnahmen und Spitalsambulanzen weiter zu entlasten. Ein großer Vorteil von Zentren ist die hohe Verfügbarkeit – wir haben erweiterte Öffnungszeiten, planen perspektivisch auch Wochenenddienste und können durch die breite Aufstellung mehr Leistungen anbieten. Aber egal in welcher Form, ich kann als überzeugter Kassenmediziner, jungen Kolleginnen und Kollegen die Arbeit im kassenärztlichen Bereich nur nahelegen. Wir sind Ärztinnen und Ärzte mit Fokus auf die bestmögliche Versorgung, müssen gesundheitsökonomisch denken und sind gleichzeitig auch Unternehmer. All das macht unseren Alltag zwar oftmals sehr herausfordernd, aber äußerst spannend und abwechslungsreich.

„Studien zeigen, dass etwa 30 bis 40 Prozent der Patientinnen und Patienten, die in einer Notaufnahme landen, genauso gut im niedergelassenen Bereich behandelt werden könnten.“
Mann in blauem Pullover vor Geräten
Florian Mölzer und die weiteren Gründern des PVE Margareten war es wichtig viele Untersuchungen und Behandlungen an einem Ort anbieten zu können, damit Patientinnen und Patienten Wege erspart werden können.
Foto: Michaela Obermair
Untersuchungsraum mit Liege
In den Untersuchungsräumen finden bereits vor dem Arztkontakt erste diagnostische Schritte statt – etwa Blutabnahmen, EKG, Abstriche oder Harnanalysen.
Foto: Michaela Obermair
Mann im Behandlungsraum.
"Unser Anspruch ist es, möglichst viel sofort und an einem Ort zu klären," betont Florian Mölzer.
Foto: Michaela Obermair
Mann in dunkelblauem Pullover am Schreibtisch.
medloft habe bewusst ein Team aufgebaut, das viele verschiedene Sprachen abdeckt, sagt Mölzer.
Foto: Michaela Obermair
„Bei öffentlichen Impfprogrammen arbeiten wir zusätzlich eng mit umliegenden Apotheken zusammen.“
 
© Ärztin für Wien | 24.07.2026 | Link: https://aerztinfuerwien.at/medizin/ziel-war-eine-art-notaufnahme-light